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Die
"Escalade" in drei Akten
Die
"Escalade" ist ein Symbol des
Unabhängigkeitswillens der Genfer. Sie war der letzte
einer Reihe von Versuchen, die Savoyen iM 16.
Jahrhundert unternahm, um Genf zu seiner Hauptstadt
nördlich der Alpen zu machen.
Akt 1
- Der Angriff
Trotz wiederholtem Versprechen, den Frieden zu
respektieren, greift Karl Emanuel I., Herzog von
Savoyen, Genf in der Nacht von Samstag, 11., auf
Sonntag, 12. Dezember 1602, unerwartet an.
Nach einem in Bonne und La Roche (Hochsavoyen)
begonnenen Marsch kommen über zweitausend Soldaten zu
Fuss oder zu Pferd vor den mauern der Stadt in
Plainpalais an.
Sie führen Leiternteile mit sich, die sie am Ort, wo
später die Gebäude der Corraterie gebaut wurden,
zusammenstecken und gegen die Mauer nach oben ziehen.
Ein Schuss aus der muskete des Wächters Jacques
Mercier, der den Feind entdeckt hat, zerreisst die
nächtliche Stille. Caporal François Bousezel wird auf
seineM Wachrundgang als erster tödlich verwundet.
Nach und nach wird der allgemeine Alarm ausgelöst, bis
schlussendlich alle Kirchenglocken der Stadt Sturm
läuten. Die Bewohner greifen zu ihren Waffen, um sich
gegen den Feind zu verteidigen.
Alle Genfer kämpfen: die Bevölkerung genauso wie die
Bürgermiliz und die Berufssoldaten. Die Edelfrau Piaget
wirft den Genfern den Schlüssel zur Passage unter ihrem
Haus zu, damit sie den Feind von aussen angreifen
können. Der Kochtopf, den Catherine Cheynel - Gattin
des Münzträgers Pierre Royaume und liebevoll "la
Mère Royaume,, genannt - von einem Fenster auf den Kopf
eines Soldaten wirft, wird später zum bekanntesten
Symbol für die "Escalade,,.
Die Savoyer haben den Sprengfachmann Picot beauftragt,
das schwere Stadttor Porte Neuve zu zerstören, um dem
Gros der Savoyer Armee den Weg freizumachen. Dem
Verteidiger Isaac Mercier gelingt es jedoch, auf das
hölzerne Tor zu steigen, das Gitter dahinter
herunterzulassen und es damit endgültig zu blockieren.
Das Misslingen der Unternehmung zwingt die Savoyer
Truppen, sich noch vor Sonnenaufgang nach Bonne und La
Roche zurückzuziehen.
Akt II
- Kirche und Galgen
Am Sonntag Vormittag geht die Genfer Bevölkerung in die
Kirchen, um die Predigt von Théodore de Bèze, Rektor
der Akademie, und Simon Goulart, Pfarrer in
Saint-Gervais, zu hören und Gott zu danken. Auf ihrer
Seite sind achtzehn opfer zu beklagen, deren Gebeine in
Saint-Gervais aufbewahrt sind. Von den Savoyer Soldaten
jedoch wurden vierundfünfzig vor den Stadtmauern
getötet. Dreizehn - vor allem Edelleute - wurden
gefangengenommen. Verurteilt als "Diebe und Räuber",
werden sie noch am selben Tag deM Henker François
Tabazan übergeben, "da man aufgrund des
wiederholten Versprechens des Herzogs von Savoyen, den
Frieden zu wahren, mit ihnen nicht wie mit normalen
Kriegsgefangenen verfahren kann.
Akt
III - Der Frieden und das europäische Echo
Im Sommer 1603 wurde der Friedensvertrag von
Saint-Julien mit Hilfe von Abgesandten aus fünf
Schweizer Kantonen geschlossen. Verschiedene
europäische Höfe - darunter Heinrich IV., König
Frankreichs, der kurz vorher das Edikt von Nantes
unterzeichnet hatte, Elisabeth I., Königin von England,
dann Jakob I., der Pfälzische Kurfürst und der Herzog
von Württemberg - hatten Druck ausgeübt, um die
Unterzeichnung dieses Vertrages zu erreichen, der den
zahlreichen Versuchen Karl Emanuels I., Genf zu seiner
Hauptstadt nördlich der Alpen zu machen, ein Ende
setzte.
Die "Escalade,, hätte ohne den Einfluss des iM
Jahre 1564 verstorbenen Calvins kauM in dieser Form
stattgefunden. Die Feier zur Erinnerung an die Escalade
betont seitdeM Unabhängigkeitswillen der Genfer und ist
deshalb zuM eigentlichen Nationalfeiertag von Genf
geworden. |